Dienstag, 18. Juni 2019


Sustainable Development Goals in Museen


Die Sustainable Development Goals, kurz SDGs, scheinen nun auch zunehmend im Diskurs um die Zukunft von Museen zu verfangen. Diverse Tagungen und selbstverständlich UN Live geben hier neue Denkanstöße.



Empowering Museums

Das Netzwerk we are museums ist eine Bewegung von Museen, die gut für die Menschen und den Planeten sind und dabei vielfältige Innovationen einsetzen. Auf der diesjährigen Tagung wurden die Überschneidungen zwischen Museen und den SDGs ausgelotet. Um die SDGs in die Museumarbeit zu integrieren wurden dort lokale Kooperationen, die Fokussierung auf den Impact zu einer gesellschaftlichen Transformation und die stärkere Öffnung hin zu einer unternehmerischen Kultur diskutiert.

Nachhaltigkeit und der Deutsche Museumbund

Ganz anders auf der Jahrestagung des Deutschen Museumbundes in Dresden. Im Rahmen der Berichterstattung titelte die Süddeutsche Zeitung kürzlich: „Museumsbundwill Nachhaltigkeit auch für Deutschlands Museen“. Wer im Wortlaut die Meldung liest, realisiert allerdings schnell, dass hier der Begriff Nachhaltigkeit nicht im Sinn einer enkeltauglichen Entwicklung von Museen, sondern lediglich im Sinne von „Langfristigkeit“ verwendet wird. Eine solche irreführende Verwendung – möglicherweise um auf den Zug der SDGs und des Nachhaltigkeitsmanagements aufzuspringen – trägt in weiten Teilen der Bevölkerung aber nur noch mehr dazu bei, Nachhaltigkeit als ein unkonkretes, schwerverständliches Konzept zu sehen.

ICOM und Sustainable Development Goals

Auch bei der anstehenden Jahrestagung von ICOM stehen offensichtlich die SDGs im Fokus. In verschiedenen Sessions wird die Frage diskutiert, wie sich Museen an der Erreichung der SDGs beteiligen können? Um die Sichtbarkeit der Diskussion im Museumssektor zu erhöhen, wird auf den Hashtag #SDGs verwiesen. Ob dieser Fokus in die Tat umgesetzt wird, bleibt abzuwarten – gab es in der Vergangenheit doch ähnliche Absichtsbekundungen, die dann im Sand verliefen.



Museum for the United Nations

Als Meilenstein in der Entwicklung hin zu nachhaltigen Museen muss sicherlich das geplante Museum for the United Nations UN Live. Die SDGs werden hier eine zentrale Rolle einnehmen und erstmals die konzeptionelle und thematische Basis für ein gesamtes Museum darstellen, so Michael Peter Edson, ein Mitgründer des Museums. Ich bin sehr gespannt, wie das in Kopenhagen geplante Museum, die Ideen aus dem World Future Lab – einer der wenigen direkt auf die SDGs abzielenden Ausstellungen – aufnimmt und weiterentwickelt.


Dieser grobe Überblick über den gegenwärtigen Diskurs zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit sowie die Sustainable Development Goals auch langsam das Zentrum des Museumssektors erreichen. Weiter so!


Mittwoch, 24. April 2019

BNE in Außerschulischen Lernorten


Außerschulische Lernorte sind seit langem die Vorreiter in der Anwendung einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Für alle Experten und Interessierten, die in diesem Bereich arbeiten, ist das Bildungsforum im Klimahaus Bremerhaven ein Pflichttermin.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Das Bildungsforum fand dieses Jahr bereits zum achten Mal statt und zog um die 80 Teilnehmer an. Der Megatrend der Digitalisierung wird zunehmend auch im Hinblick auf die Anknüpfungspunkte zum Thema Nachhaltigkeit diskutiert (siehe bspw. hier). Vor diesem Hintergrund stand das Bildungsforum in diesem Jahr unter dem Motto „bildung.digital.nachhaltig. Bildung für nachhaltige Entwicklung im Spannungsfeld digitaler Herausforderungen“.
In Impulsvorträgen und Workshops wurden auf vielfältige Weise die folgenden Fragen diskutiert:
  • Wie viel „Digitales“ ist möglich und wie viel ist nötig für gelingende Bildungsprozesse?
  • Wie können Nachhaltigkeitsthemen wie Gemeinwohl- und Umweltorientierung sowie Datendemokratie erfolgreich vermittelt werden?
  • Welche Inhalte und Methoden kann Bildung für nachhaltige Entwicklung zu den digitalen Lern- und Erfahrungswelten beisteuern?

BNE.digital

Neben den allgemeinen Fragen zur Digitalisierung, finde ich ganz besonders die spezifische Qualität von BNE und dessen Potenziale oder eben Hemmnisse im Hinblick auf den Digitalisierungsprozess von Bildung spannend. Im dritten Workshop „BNE.digital: Beispiele aus der Bildungspraxis“ wurden hierzu verschiedene Serious Games und Apps vorgestellt. Wer sich eingehender mit dieser Thematik beschäftigen möchte, dem sei auch das neue Buch „Interactive Media for Sustainability“ von Roy Bendor ans Herz gelegt.
Im Workshop wurde klar, dass insbesondere die Möglichkeiten zur Partizipation durch digitale Medien einen Mehrwert darstellen können. Beispielsweise können so Kinder und Jugendliche stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.
Durch digitale Medien und Erlebnisse kann auch ein verstärkter Austausch und ein Perspektivwechsel ermöglicht werden. Wie Angebote der Bildung für nachhaltige Entwicklung ganz konkret diese Chancen nutzt, wurde an Fallbeispielen gezeigt – eine übergeordnete Systematisierung und daraus abgeleitete Anwendungshinweise fehlen jedoch noch. 

BNE und Digitalisierung auf dem Bildungsforum
© Klimahaus Bremerhaven
 

Erste Schritte zu einer digitalen Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Das Fazit dieses Workshops zeigt, dass derzeit die allerersten Schritte gegangen werden, um Digitalisierung für BNE fruchtbar zu machen – und das hier noch ein langer Weg vor uns liegt.