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Montag, 21. Januar 2019

Für ECSITE ist Nachhaltigkeit noch immer ein blinder Fleck


Die Jahreskonferenz von ECSITE, dem European Network of Science Centres and Museums, wurde 2016 erstmals nach nachhaltigen Standards organisiert, um den CO2-Fußabdruck der Veranstaltung zu reduzieren. Dieser Fokus auf die technisch-materielle Seite der Nachhaltigkeit ist sinnbildlich für das bisherige (fehlende) Engagement von ECSITE in diesem Themenbereich.

Zunächst ein Blick zurück: Als Michiel Buchel 2015 zum Präsidenten von ECSITE gewählt wurde, gab er Nachhaltigkeit als ein zentrales Leitmotiv für ECSITE aus. Gut, die UN-Dekade zur Bildung für nachhaltige Entwicklung war bereits zu Ende gegangen – aber besser spät als nie, könnte man meinen.


Ankündigung ohne Folgen
Weit gefehlt – nach der Ankündigung, unter anderem in der Zeitschrift Spokes, passierte leider nicht viel. Auch eine direkte Nachfrage bei Michiel Buchel, welche konkreten Aktionen von ECSITE zum Thema Nachhaltigkeit geplant waren, blieb leider unbeantwortet.

Insbesondere die inhaltliche, wertorientierte Seite sowie die pädagogisch-didaktische Seite einer Nachhaltigen Entwicklung in Science Centern bleibt innerhalb der Szene in Europa weiterhin unterbeleuchtet - und innerhalb von ECSITE ein blinder Fleck. Welche Hürden der Anwendung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in Science Centern im Weg stehen, habe ich in einem anderen Blogpost bereits aufgezeigt.

Nachhaltigkeit ist für ECSITE ein blinder Fleck


Eine Frage der Haltung. Welche Werte vertreten Museen und Science Center?
Im Gegensatz dazu, stand die Jahrestagung 2018 des Deutschen Museumsbundes (DMB) unter dem Thema „Eine Frage der Haltung. Welche Werte vertreten Museen?“. Die Organisatoren der Tagung haben erkannt, dass Museen und Science Center als zentrale Institutionen in einer Participatory ScientificSociety (PSS) nicht nicht wertorientiert arbeiten können.


ECSITE als Knowledge Broker?
Diese unausweichliche Wertorientiertheit gilt es auf die Grundlagen einer Nachhaltigen Entwicklung, so wie sie auch in der MechelenDeklaration formuliert wurden zu beziehen. Science Center und Wissenschaftsmuseen vergeben ansonsten die Chance, ihre Rolle als zentrale gesellschaftliche Akteure verantwortungsbewusst auszufüllen – und ECSITE verspielt hier die Chance als der Knowledge Broker an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft an einer Transformation hin zu mehr Zukunftsfähigkeit mitzuarbeiten.


Mittwoch, 30. Mai 2018

Ein Traum von Nachhaltigkeit


Nach der Lektüre von eher beunruhigenden Nachrichten fiel ich kürzlich nach der Mittagspause in einen leichten, nachmittäglichen Schlaf und träumte von einer besseren Welt.

Eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit
Auf dem Weg dahin könnte es eine Ausstellung geben, die sich ausschließlich mit den Herausforderungen und Chancen einer globalen Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzt. Die dies auf spielerische, interaktive Weise umsetzt und so die Besucher zum selbständigen Handeln motiviert. Eine solche Ausstellung - ein Traum!

Das World Future Lab
Bei meinem letzten Besuch des Klimahauses Bremerhaven kam ich endlich dazu das World Future Lab zu besuchen. Unglaublich, aber wer hätte gedacht, dass Träume so schnell Realität werden können:
Im WorldFuture Lab können Besucher mit einem Spiel die Zukunft der Erde gestalten. Es müssen Informationen bewertet und Entscheidungen getroffen werden. Zu guten Lösungen der Aufgaben gelangen die Besucher oft nur, wenn sie mit ihren Mitspielern kooperieren. So werden im Spielverlauf auch verschiedene Fähigkeiten getestet, die für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung wichtig sind. Ohne im Spiel explizit darauf zu verweisen, werden hier die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen (UN) erlebbar. Diese nachhaltigen Entwicklungsziele sind ein zentraler Orientierungspunkt der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die Agenda thematisiert ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit gleichermaßen und wurde im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen beschlossen.

 
Foto: Klimahaus

Die Zukunft gestalten
Doch der Homo Ludens allein wird nicht die SDGs umsetzen. Daher ist das World Future Lab auch darauf ausgelegt, unter pädagogischer Begleitung in Workshops oder Zukunftswerkstätten nachhaltiges Denken und vor allem konkretes Handeln einzuüben. „Gefördert werden Fähigkeiten und Gestaltungskompetenzen im Sinne der BNE“, erläutert Jens Tanneberg, Leiter Wissenschaft und Bildung am Klimahaus.

Ein Serious Game im Zentrum
Besonders gefallen hat mir die klare Konzentration des World Future Labs: Es gibt nur ein Exponat, nämlich das zentrale Spiel, an dem mehrere Parteien zugleich interagieren können. Der Fokus der Besucher wird somit nicht durch verschiedene Texte, unterschiedliche Exponate und mehrere Unterthemen abgelenkt.

 
Umsetzung von BNE in Ausstellungen
Foto: Klimahaus

Another World is possible
Im World Future Lab geht es im Kern „um die Mensch-Erde-Beziehung und die Erkenntnis, dass jeder Mensch etwas zu einer Nachhaltigen Entwicklung beitragen kann“, erläutert Tanneberg. Wenn wir alle ein kleines Stück zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, kann vielleicht auch der Traum einer besseren Zukunft Wirklichkeit werden.

Donnerstag, 24. August 2017

Weshalb nutzen nicht mehr Science Center und Wissenschaftsmuseen das Konzept der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)?



Im Artikel zur Mecheln Deklaration habe ich bereits über die Bedeutung des Museums- und Ausstellungssektors für eine Nachhaltige Entwicklung geschrieben.
In diesem Beitrag möchte ich noch stärker die Beziehung zwischen dem Bereich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und Wissenschaftsmuseen sowie Science Centern beleuchten. Dafür habe ich ein Interview mit Prof. Charles Hopkins geführt, der als UNESCO Chair an der BNE-Dekade beteiligt war sowie an dem Kapitel „Förderung der Bildung, der Bewusstseinsbildung und der Aus- und Fortbildung“ der Agenda 21 mitgearbeitet hat.

Wie ist der aktuelle Stand von Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Wissenschaftsmuseen und Science Centern?
Viele dieser Institutionen praktizieren Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), sind sich dessen aber nicht bewusst, so Charles Hopkins. So ist es häufig dem Besucher selbst überlassen, die Verbindung der Inhalte und Exponate zu dem Thema Nachhaltige Entwicklung herzustellen.
Dazu kommt, dass Science Centern und Wissenschaftsmuseen nicht förmlich aufgefordert wurden, am BNE-Prozess teilzunehmen. Aus Sicht der Akteure der BNE werden Kooperationen mit dem Museumssektor zumeist nicht als eine entscheidende Partnerschaft angesehen. Ausnahmen davon sind die Regionen bzw. Zenten, die von einer hohe Expertise im Bereich BNE gekennzeichnet sind, so Hopkins weiter. Doch diese Kooperationen sind dem Professor der Universität Toronto zufolge vielversprechend: “Strategizing with science centers and science museums for a more sustainable future could be very powerful”.

Welche Rolle könnten Science Center und Wissenschaftsmuseen bei der Förderung der BNE spielen?
“Science centers and science museums need to become conscious about their responsibility for a sustainable future”, betont Hopkins. Zu allererst könnten Akteure aus diesem Bereich sich stärker in das Weltaktionsprogramm der UNESCO sowie die nationalen Aktionspläne einbringen und diese Prozesse als Chance begreifen, schlägt er weiter vor. Doch um zu identifizieren, in welchem der fünf Fokuspunkte des globalen Aktionsplans die jeweiligen Institutionen aktiv werden können, ist eventuell weitere Führung und Konkretisierung notwendig.

Was die Stärken von Wissenschaftsmuseen und Science Center für die Umsetzung von BNE-Ansätzen?
Institutionen aus dem Museumssektor haben in der Regel eine hohe Reputation und hohe Glaubwürdigkeit; des Weiteren sind sie gut darin, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, erklärt Charles Hopkins.
In Science Center sind Experten tätig, die wissen, wie Besucher auf unterhaltsame Weise etwas lernen können. In Museen arbeiten Profis, wenn es um die Entwicklung von spannenden und lehrreichen Geschichten geht.
Aufgrund der genannten Aspekte und einer hohen Besucherzahl wäre der Museumssektor daher ein starker und Partner für die Förderung und Umsetzung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. 

BNE im Museumssektor
Hinsichtlich der Integration von BNE in den Museumssektor steht uns noch ein langer Weg bevor, denn “Science centers and science museums could be much more useful for ESD than they are”, stellt Hopkins abschließend fest.




Das Interview wurde im Rahmen der Abschlusskonferenz der UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ in Bonn geführt.