Mittwoch, 30. Mai 2018

Ein Traum von Nachhaltigkeit


Nach der Lektüre von eher beunruhigenden Nachrichten fiel ich kürzlich nach der Mittagspause in einen leichten, nachmittäglichen Schlaf und träumte von einer besseren Welt.

Eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit
Auf dem Weg dahin könnte es eine Ausstellung geben, die sich ausschließlich mit den Herausforderungen und Chancen einer globalen Nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzt. Die dies auf spielerische, interaktive Weise umsetzt und so die Besucher zum selbständigen Handeln motiviert. Eine solche Ausstellung - ein Traum!

Das World Future Lab
Bei meinem letzten Besuch des Klimahauses Bremerhaven kam ich endlich dazu das World Future Lab zu besuchen. Unglaublich, aber wer hätte gedacht, dass Träume so schnell Realität werden können:
Im WorldFuture Lab können Besucher mit einem Spiel die Zukunft der Erde gestalten. Es müssen Informationen bewertet und Entscheidungen getroffen werden. Zu guten Lösungen der Aufgaben gelangen die Besucher oft nur, wenn sie mit ihren Mitspielern kooperieren. So werden im Spielverlauf auch verschiedene Fähigkeiten getestet, die für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung wichtig sind. Ohne im Spiel explizit darauf zu verweisen, werden hier die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen (UN) erlebbar. Diese nachhaltigen Entwicklungsziele sind ein zentraler Orientierungspunkt der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die Agenda thematisiert ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit gleichermaßen und wurde im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen beschlossen.

 
Foto: Klimahaus

Die Zukunft gestalten
Doch der Homo Ludens allein wird nicht die SDGs umsetzen. Daher ist das World Future Lab auch darauf ausgelegt, unter pädagogischer Begleitung in Workshops oder Zukunftswerkstätten nachhaltiges Denken und vor allem konkretes Handeln einzuüben. „Gefördert werden Fähigkeiten und Gestaltungskompetenzen im Sinne der BNE“, erläutert Jens Tanneberg, Leiter Wissenschaft und Bildung am Klimahaus.

Ein Serious Game im Zentrum
Besonders gefallen hat mir die klare Konzentration des World Future Labs: Es gibt nur ein Exponat, nämlich das zentrale Spiel, an dem mehrere Parteien zugleich interagieren können. Der Fokus der Besucher wird somit nicht durch verschiedene Texte, unterschiedliche Exponate und mehrere Unterthemen abgelenkt.

 
Umsetzung von BNE in Ausstellungen
Foto: Klimahaus

Another World is possible
Im World Future Lab geht es im Kern „um die Mensch-Erde-Beziehung und die Erkenntnis, dass jeder Mensch etwas zu einer Nachhaltigen Entwicklung beitragen kann“, erläutert Tanneberg. Wenn wir alle ein kleines Stück zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, kann vielleicht auch der Traum einer besseren Zukunft Wirklichkeit werden.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Chancen und Risiken im Nachaltigkeitsmanagement



Für die Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements in Museen oder Science Centern gibt es viele gute Gründe, wie ich bereits in einem anderen Blogpost ausgeführt habe. Wie ein solches Managementsystem im Museumssektor eingeführt werden kann, bzw. aus welchen – zugegeben: ganz groben – Bestandteilen es besteht, habe ich hier skizziert.
Doch welche Chancen sind mit einem institutionellen Fokus auf Nachhaltigkeit verbunden? Und welche Risiken ist ein solcher Prozess unterworfen?


Chancen durch mehr Nachhaltigkeit

Die Chancen durch die Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements können von internen über wettbewerbsorientierte bis hin zu gesellschaftliche relevanten reichen.
Durch einen Fokus auf Aspekte der Nachhaltigkeit können Ausstellungshäuser einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten und so ihrer unternehmerischen und gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen.

Die Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements kann auch institutionsintern als ein Change Management aufgefasst werden, durch das systematisch potenzielle Verbesserungen identifiziert Änderungsprozesse insgesamt angestoßen werden. Nachhaltigkeitsmanagement kann im Idealfall ein ein gutes Steuerungsmanagement für Verbesserungsprozesse sein.

Eine starke Verpflichtung zu nachhaltigem Handeln stellt eine große Chance für das Reputationsmanagement dar. Einerseits kann die Reputation nach innen profitieren und zu erhöhter Identifikation der Mitarbeiter mit der Institution führen. Andererseits kann beispielsweise durch Auszeichnungen und Zertifizierungen die Reputation nach außen fokussiert und so die Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit gesteigert werden.

Darüber hinaus können vielfältige ökonomische Einsparpotenziale realisiert werden, ob durch Einsparungen im Ressourceneinsatz oder durch gesunde und zufriedenen Mitarbeiter.


Chancen und Risiken im Nachhaltigkeitsmanagement



Risiken im Change Management

Die Umsetzung eines Nachhaltigkeitsmanagements ist, wie jeder Veränderungsprozess, auch von unterschiedlichen Risiken bedroht. Auf operativer Ebene ist eine fehlende Unterstützung durch die Verwaltung hinderlich, da diese in der Regel unterschiedlichste Daten zur Analyse der Nachhaltigkeits-Performance verfügbar machen muss. Noch kritischer ist eine fehlende ideelle Unterstützung durch die Geschäftsführung, da so die interne Legitimation für die angestrebten Veränderungen untergraben wird.

Das häufigste Problem ist jedoch die Bereitstellung von (zeitlichen) Ressourcen für den Nachhaltigkeits-Beauftragten. Üblich ist es, am Anfang zu viel zuwollen: Es werden alle Themen und alle Kriterien ins Programm aufgenommen – die Umsetzung scheitert dann kurz darauf an der Komplexität der Aufgabe und den nicht ausreichenden Ressourcen für die Umsetzung. Ziel ist von Anfang die Fokussierung auf die für die Institution spezifischen Kernelemente der Nachhaltigkeit.

Ein etwas anders gelagertes Problem kann auftreten, wenn im Rahmen der Nachhaltigkeits-Analyse etwas entdeckt wird, dass potenziell rufschädigend sein könnte. Eine Erwähnung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung mit einem Handlungsplan zur Verbesserung dieses Aspektes trägt aber langfristig zu einer besseren Reputation bei, als diesen unangenehmen Aspekt zu verschweigen.

Freitag, 26. Januar 2018

Agiles Lernen in Museen



Das Offene Bildungsnetzwerk Freiburg lud vergangene Woche zu einem Mini-Barcamp ein – eine tolle Gelegenheit sich mit Bildungsprofis aus den unterschiedlichsten Bereichen auszutauschen. Ganz besonders spannend war ein Kurz-Vortrag von Otto Kraz zum Thema Agiles Lernen, auf dem die Idee zu diesem Blog-Beitrag beruht.


Agilität und Bildung
Aber ganz von vorne: Agilität, ursprünglich aus der Software-Entwicklung stammend, hat in den vergangenen Jahren seinen Siegeszug im Projektmanagement angetreten. Dass agiles Projektmanagement auch ein lohnenswerter Ansatz für Museen und Ausstellungsgestalter sein könnte – darauf gehe ich an dieser Stelle nicht, sondern vielleicht in einem zukünftigen Blog-Post ein.
Das Manifest für agile Softwareentwicklung wurde zwischenzeitlich auf den Bildungsbereich übertragen. Um auf bessere Art und Weise Entwicklungsprozesse beim Menschen zu unterstützen, formuliert das englischsprachige Manifest die folgenden Eckpunkte:

  • Individuals and Interactions over curricula and tools
  • Learning for Performance Improvement over comprehensive knowledge transfer
  • Learner Collaboration over contract/program negotiation
  • Responding to Change over following a plan




















Was ist Agiles Lernen?
Agiles Lernen setzt sogenannte agile Werte, Prinzipien und Methoden ein, um Lehr-Lernsituationen unter Beteiligung aller Betroffenen und insbesondere der Lernenden besser zu gestalten.
Das bedeutet, dass die Anwendung agiler Vorgehensweisen und Instrumente die Didaktik des Lernprozesses darstellen. Konkret bilden Lehrende und Lernende ein Lernteam, das sich ausgehend von den individuellen Voraussetzungen über die Lernziele in Form von Kompetenzen, Kenntnissen und Fähigkeiten verständigt. Dieser Prozess wiederholt sich in mehreren Lernphasen und das Ergebnis wird am Ende jeder Phase anhand von Kriterien reflektiert.


Agiles Lernen in der Museumspädagogik
Agiles Lernen in Ausstellungen und Museen kann ein neuartiger, wenn auch voraussetzungsvoller Ansatz für die museumspädagogische Arbeit sein. Ein guter Ausgangspunkt für die Integration agiler Prinzipien in museumspädagogische Angebote stellt der eduScrum Guide dar. Jedem der bereits mit SCRUM gearbeitet hat, sind das grundsätzliche Vokabular und die dahinter stehenden Ideen bereits vertraut – er braucht die in eduScrum umgesetzte Anwendung auf die pädagogische Arbeit nur noch in den Museumskontext zu übertragen.


Mediale Ausstellungen und Agiles Lernen
Spannender und herausfordernder wäre eine Umsetzung der Prinzipien des agilen Lernens in interaktiven Exponaten, Medienguides oder Serious Games.
Bei einer Implementierung des agilen Lernens in mediale Lernumgebungen ist insbesondere die Frage der Rollen von Bedeutung:

  • Die Rolle des Auftraggebers könnte hierbei durch spielerische Aufgaben an die Ausstellungsbesucher umgesetzt werden,
  • Die Rolle des Coaches könnte insbesondere bei Medienexponaten durch kontextbezogene Hinweise der Software übernommen werden. Für eine solche Umsetzung muss jedoch mit einem erheblichen Programmieraufwand gerechnet werden,
  • Die zentrale Rolle des Lehr-Lernteams ist in unbetreuten Interaktionssituationen mit Exponaten nicht ohne Weiteres zu ersetzen.


Wie könnte diese Rolle ohne museumspädagogisches Personal ausgefüllt werden? Ich habe darauf noch keine Antwort – freue mich aber über Eure Ideen oder Feedback dazu!


Donnerstag, 21. Dezember 2017

Heritage Interpretation und BNE in Ausstellungen



Kürzlich durfte ich einen Beitrag für den Newsletter von Interp Europe, dem europäischen Dachverband für Natur- und Kulturinterpretation verfassen. Da dort der Platz relativ begrenzt war, musste ich meinen ursprünglichen Beitrag stark kürzen.
Meine etwas ausführlicheren Ideen zu der Frage, wie Natur- und Kulturinterpretation im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in Museen und Ausstellungen eingesetzt werden kann, kannst Du im Folgenden lesen:

The practice of phenomenon-based communication in museums often focusses on the display and interpretation of exhibits (cf. Veverka 2015). However, the increasing use of scenographic arrangements in exhibitions and museums calls for another approach.
At the core of this new approach is a scenography based on the location, thus often the architecture, of the museum. With it, exhibition design and scenography directly connects to the phenomena of the environment, hence the building. While this is obvious and commonly used, taking this approach one step further is not: By identifying the phenomenon using the communication rectangle and developing a theme-centred interaction, the unique potential of the location can not only be translated into an interior design but into a scenography, which is an interactive visitor experience.

It has been outlined elsewhere, why heritage interpretation has an obligation to a sustainable development and at the same time there are various opportunities for heritage interpretation practice by embracing the concept of Education for Sustainable Development (ESD), ESD is at the same time an opportunity to improve the practice of interpretation (Ludwig 2009).
On the one hand, regarding educational activities in museums, It has been argued that ESD is the pedagogic approach for exhibitions and museums in the 21st century (Peter and Garthe 2014). But the intersections between heritage interpretation and museum pedagogics still need to be further excavated.
On the other hand, sustainability is largely a blind spot within the realm of exhibition development. Obviously, there are a multitude of great exhibitions on issues about sustainability. But the way in which these exhibitions are curated and exhibits are interpreted are not focused on the key competencies of ESD (cf. Haan 2006). So, the challenge for future exhibitions is to develop exhibits that foster competence-based learning. In doing so, it has to be underlined that not all competencies are equally suitable to be acquired within exhibitions and museums.
Furthermore, the sustainable production and operation of exhibitions and museums on heritage topics offer opportunities to contribute to a sustainable future.

An attractive visitor centre is nowadays a must-have for every large protected area. But many of the visitor centres in Germany have a serious problem: They are stuck in environmental education and neglect the anthropocene: With a dramaturgy following habitat types, nature is "rebuilt" within these exhibitions – with often- extensive effort. Thus, too often a visit to the visitor centre effectively replaces a real experience of nature. Developing visitor centres that truly support the mission of Protected Areas would require a radically new approach which puts the human being and its stories in the centre of the concept (Garthe 2017).

Heritage interpretation in natural history museums is struggling to find its relevance in the 21st century (cf. Janes 2009). This is why a reconceptualisation of the natural history museum towards a future-oriented institution seems to be necessary.
To benefit from the collection as the key resource, natural history museums can focus on Interaction, participation and object-related interactions that foster a public understanding of collections. Before the background of a participative scientific society, natural history museums can evolve into the place to address global challenges, discuss the future of the planet and thus increase the relevance for visitors (Garthe 2018).

The potential role of interpretation in a post-fact society has been discussed (Lehnes 2017). As science and the interpretation of its results are becoming increasingly central to our society, it can be argued that scientific literacy or a public understanding of research are becoming essential for active citizens as well as for the democratic cultures as a whole.. To tackle these challenges, we need to move from a knowledge society to a Participatory Scientific Society that empowers citizens to take ownership in crucial debates. Interpretative activities can support this by not communicating (scientific) themes, but by communicating the research process itself. Successful examples are Open Research Labs, Sciencetainment events, like Worm charming, artistic research projects, incorporating transdisciplinary research or Citizen Science programmes, like BioBlitz, or embracing the approaches of the Maker community (cf. Garthe 2015). Like this, exhibitions and museums can become an interface between scientists, volunteers and citizens and can serve as a core institution of Participatory Scientific Society.


References
Garthe, C., 2015. Using interactive experiences to communicate nature. Gothenburg.
Garthe, C., 2017. Weshalb Naturzentren verhindern, dass Besucher die Natur entdecken [online]. Available from: http://ausstellung-museum-nachhaltigkeit.blogspot.de/2017/05/weshalb-nationalparkzentren-verhindern.html.
Garthe, C., 2018. The Natural Futures Museum: Interactivity and Participation as Key Instruments for Engaging Audiences. In: E. Dorfman, ed. The future of natural history museums. Milton Park Abingdon Oxon, New York NY: Routledge, 140–154.
Haan, G. de, 2006. The BLK ‘21’ programme in Germany: a ‘Gestaltungskompetenz’based model for Education for Sustainable Development. Environmental Education Research, 12 (1), 19–32.
Janes, R.R., 2009. Museums in a troubled world. Renewal, irrelevance or collapse? London, New York: Routledge.
Lehnes, P., 2017. Interpretation in Darkening Times. Interpret Europe Newsletter (1), 3–4. Available from: http://www.interpret-europe.net/top/news/singlepage-news/news/interpretation-in-darkening-times.html?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=676a8bbafb974f12220e77dd3671d463.
Ludwig, T., 2009. ESD as a Chance for the Worldwide Improvement of Interpretation. Athens.
Peter, M., and Garthe, C.J., 2014. Education for sustainable development as a concept for science centres and museums. Engagement for a sustainable future. Spokes (4), 12–17. Available from: http://www.ecsite.eu/sites/default/files/spokes6_0.pdf.
Veverka, J.A., 2015. Interpretive master planning. Strategies for the new millennium, philosophy, theory and practice. Edinburgh: MuseumsEtc Ltd.